Aktionen 2012


Archäologische Exkursion der Oldenburgischen Landschaft nach Schleswig-Holstein
2. - 4.5.2012

Vom 2. bis 4.5.2012 veranstaltete die Oldenburgische Landschaft in Zusammenarbeit mit der Akademie Sankelmark eine archäologische Exkursion per Bus nach Schleswig-Holstein. Von unserer Arbeitsgmeinschaft nahmen insgesamt 11 Mitglieder teil, so dass ein kleiner Bericht angemessen erscheint.

Tag 1

Erste Reiseetappe war Bordesholm, zum sog. Brautberg, einem 8 m hohen und 35 m durchmessenden, spätbronzezeitlichen Grabhügel. Im Innern des Hügels wird nach Voruntersuchungen ein Großsteingrab vermutet. Der Hügel selbst wurde durch Nachbestattungen in Baumsärgen erweitert. Später wurden auch Urnen in dem Hügel beigesetzt. Unmittelbar nördlich des Hügels lag der größte Urnenfriedhof Schleswig-Holsteins mit über 5000 Bestattungen. Dieser Friedhof existiert jedoch nicht mehr.

Einmal bei Bordesholm, haben wir natürlich auch die Abteikirche besucht, in der sich die Sarkophage von drei berühmten Oldenburgern befinden. Am berühmtesten ist wohl Friedrich I. von Schleswig-Holstein-Gottorf, der dem Haus Oldenburg entstammt und später dänischer König wurde. Insofern ist sein Bronzesarkophag (Foto unten links) auch leer (Kenotaph), denn er wurde mit Gattin Anna von Brandenburg tatsächlich im Dom zu Schleswig bestattet. Sehr eindrucksvoll sind auch die beiden schwarzgrauen Steinsarkophage von Herzog Georg-Ludwig und Gemahlin Sophia Charlotte, den Eltern unseres Peter Friedrich Ludwigs von Oldenburg (Foto unten rechts). In einem kleinen Seitenraum steht der weiße Steinsarkophag des Herzogs Karl Friedrich, des Vaters des späteren Zaren Peter III.



  

Danach gin es weiter nach Rendsburg, wo nach einer kurzen Fahrt mit der einzigartigen Schwebefähre direkt am Nordostseekanal das Mittagessen eingenommen wurde. Die 99 Jahre alte Schwebefähre hängt an vier 35 Meter langen Trageseilen und acht gekreuzten Versteifungsseilen unter der Hochbrücke und wird mit vier Motoren angetrieben. Sie ist die 14 Meter lang, 6 Meter breit und kann 6 Autos und 60 Fußgänger über den 135 Meter breiten Nordostseekanal befördern. Dies ist, wie bei allen Fähren über den Kanal, kostenlos.

Nördlich von Schleswig besuchten wir nach mühsamer Suche den sog. Poppostein, ein kleines Großsteingrab (Dolmen), an dem der Bischof Poppo den Wikingerhäuptling Harald Blauzahn und viele andere Heiden getauft haben soll.

17:30 Uhr erreichten wir die Akademie Sankelmark (Internetlink), wo wir von unserem dortigen Reiseleiter, Herrn Memmer, begrüßt wurden. Nach einem Abendessen ging es mit dem ersten archäologischen Vortrag von Corinna Endlich (S-H Landesmuseum Schloss Gottorf) weiter: "Vergangene Lebenswelten - Archäologie in Schleswig-Holstein".

Der Abend wurde dann würdig in der Sankelmark-Klause aubgeschlossen.

Tag 2

Der zweite Exkursionstag führte uns zuerst nach Schloss Gottorf (Internetlink), dem Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, wo uns der "Vater der Experimentalarchäologie", Harm Paulsen, durch die neolithische Sammlung führte.

 
Großsteingrab, gestern und heute
 

Weiter ging es nach Haithabu (Internetlink), direkt südlich von Schleswig, wo Herr Jörg Memmer, unser Reiseleiter von Sankelmark, ein Piknik eingeplant hatte.
Danach wurde
ein rekonstruierter Siedlungsausschnitt der ehemaligen Stadt Haithabu besucht.
Spätestens um 770 wurde Haithabu (deutsch Heidendorf) gegründet, und war lange Zeit der bedeutendste Handelsplatz der dänischen Wikinger. Das Dorf am Haithabu-Bach wurde durch einen Wall geschützt und war in das Danewerk eingebunden. In Haithabu
wurden Handelsgüter aus der Ostsee verladen und über Land bis zur Eider gebracht und von dort weiter zur Nordsee verschifft wurden - und umgekehrt.
In seiner Blütezeit muss der Ort ca. 1500 Einwohner gehabt haben, und es wurden eigene Münzen geprägt.
934 wuden die Dänen von den Ostfranken/Sachsen in der „Schlacht von Haithabu“ besiegt und der Ort fiel an das Römisch-Deutsche Reich. 948 wurde Haithabu Bischofssitz.
1066 wurde der Ort in einer weiteren Schlacht zerstört und geplündert.
Weil wegen gestiegener Frachtmengen die Schiffe im Laufe der Jahre schwerer geworden waren und Haithabu z.T. nicht mehr erreichen konnten, verlagerte sich der Handel nach Schleswig und Haithabu verlor seine Bedeutung und wurde aufgegeben.

links: Abstieg vom Schutzwall, der im Halbkreis um die Wikingersiedlung (rechts) führt.
 

links: in einem der Wikingerhäuser, rechts: Frau Kunte, die uns durch das Freilichtmuseum führte, mit einer "Reisewaage"

"Abzug" der Oldenburger aus Haithabu, und vermutlich der einzig "wahre Wikinger" im Dorf

Im Museum führte uns die Museumsdirektorin, Frau Drews, durch die neu gestaltete Ausstellung, deren Prunkstück das teilweise wiederhergestellte Langschiff ist.

Letzte Station der Rundfahrt war das Danewerk (Internetlink), ein 30 km langer Erdwall aus dem frühen bis hohen Mittelalter, der Schleswig-Holstein von Haithabu im Osten bis Hollingstedt im Westen durchschneidet. Er gilt als das größte archäologischeBodendenkmal Nordeuropas und es gibt Bestrebungen, das Danewerk als Weltkulturerbe einzustufen. Der Bau erfolgte in mehreren Phasen von ca. 650 bis 1170, ab dem 13. Jahrhundert verfiel es wieder. Es bestand im Wesentlichen aus Erdwällen und Gräben.

Wir besuchten das kleine Museum im Ort Dannewerk, die Reste der sog. Waldemarsmauer (unten links) und eine Schanze aus dem 2. Schleswigschen Krieg von 1864 (unten rechts).

Man hat acht unterschiedliche Entwicklungsstufen ermittelt. Die drei ältesten entstanden vor 700 n. Chr. In fränkischen Schriften (804/08) kommt der Begriff „Verteidigungswall“ und „Grenze seines Reiches“ vor.  Danewerk I (Hauptgraben) wird auf 737 datiert, Danewerk II (Kograben) muss im 9./10. Jahrhundert errichtet worden sein. Zuletzt wurde dann um 1170 die Waldemarsmauer aus Ziegelsteinen gebaut, die 3,7 km lang und 7 m hoch gewesen sein muss.

Abends in der Akademie präsentierte Dr. Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt einen hochinteressanten Vortrag zur Unterwasserarchäologie: „Prinsessan Hedvig Sophia“ – Die Entdeckung des schwedischen Kriegsschiffs in der Ostsee vor Bülk" (Video des Vorttrags im Internet).

Tag 3

Der letzte Tag begann mit einem Vortrag von Dr. Astrid Tummuscheit über das 2010 wieder gefundene und 2011 ausgegrabene einzige Tor im Dannewerk.
Danach stand der  "Arnkiel-Park" (Internetlink) mit den 7 Großsteingräbern von Munkwohlstrup auf dem Programm. Eines dieser Hünenbetten (LA 31) war 2003 aufwändig restauriert worden.


Neben und in dem restaurierten Hünenbett (oben und links), Dr. Eckert erläutert die Megalithkultur (rechts).
Auf dem rechten Foto sind die drei Reiseleiter, Herr Memmer, Dr. Welp (beide links) und Dr. Eckert (rechts) zu sehen.

Nach einem abschließenden Mittagessen in der Akademie machten wir uns dann wieder auf den Heimweg nach Oldenburg.
Diese ausgesprochen interessante und kurzweilige Exkursion bleibt allen Teilnehmern in bester Erinnerung, und es wurde der Wunsch laut, eine ähnliche Veranstaltung im nächsten Jahr durchzuführen.

Fotos und Text: Bernd Rothmann


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am 6.5.2012