Untersuchung des Hexenbettes


Am 3.7.10 hatte zuerst die Wildeshauser Zeitung, und dann am 6.7.10 und danach noch einmal am 14.9.10 die Nordwest Zeitung (NWZ) Artikel von Dirk Faß veröffentlicht, in der dieser die "Neuentdeckung" eines vorgeschichtlichen, sog. Näpfchensteines bekannt gab. Dabei handelte es sich um das seit langem bekannte "Hexenbett", das ganz in der Nähe des berühmten Hexensteines vor dem Wehe bei Geveshausen/Ohe in der Nähe von Neerstedt liegt.
In seinem Artikel beschreibt D. Faß außerordentlich große Näpfchen und zitiert einen Brief von Friedrich Hirsch aus 1955, in denen das Hexenbett als Opferstein bezeichnet wird und eingeritzte Figuren mit spiralförmigen Hörnern beschrieben werden. Demzufolge müsste das Hexenbett eigentlich eine absolute archäologische Sensation sein. Bisher ist der Stein aber nur als Naturdenkmal ausgewiesen.

Erwähnt werden sollte dabei unbedingt auch, dass D. Faß in seinem Artikel nicht nur den ehemaligen Direktor des Oldenburger Landesmuseums, Karl Michaelsen, zitiert (Michaelsen hat übrigens das Hexenbett niemals als archäologisches Bodendenkmal eingestuft), sondern außerdem den sehr zweifelhaften "Erforscher", Prof. Dr. Roeper-Bosch, Utrecht. Dieser war im Dritten Reich besser bekannt unter dem Namen Hermann Wirth und zählt zu den Begründern des sog. "Ahnenerbes" der SS.

Am 22.9.10 haben Dr. J. Eckert, H.G. Jordt, H. Hollmann und Dr. B. Rothmann das Hexenbett genauestens untersucht. --> Artikel in der NWZ vom 16.11.10
Dazu wurde zuerst das Gesträuch rings um den Stein zurückgeschnitten und der Stein dann mit einem Wasserstrahlgerät gereinigt, damit die Feinstruktur der sog. Näpfchen genau betrachtet werden konnte.
Der Findling besteht aus einem noch nicht eindeutig identifizierten Ergußgestein (Granit ?), in das beim Erstarren zahlreiche Einschlüsse eingebettet wurden. Der Stein weist eine stark zerklüftete Oberfläche auf, und da, wo diese Einschlüsse strärkere Erosion als das Grundgestein erlitten haben, sind flache Vertiefungen entstanden, die aber meist den Umrissen der Einschlüsse folgen. Typische Näpfchen, wie sie z.B. am Hexenstein oder am Deckstein der Bargloyer Steinkiste ausftreten (s.u.), sind nicht zu erkennen.

Die Untersuchung hat somit eindeutig ergeben, dass keine Näpfchen oder Schälchen zu finden waren. Es handelt sich allerdings aufgrund seiner Gesteinsstruktur um einen recht außergewöhnlichen Findling. Eine Messung ergab, dass der Stein ca. 2,90 x 1,90 m groß ist. Wie tief er im Boden steckte, war nicht zu ermitteln.

Mittig ist eine große Einwölbung vorhanden, die bei D. Faß als Opferkuhle bezeichnet wird. Die alten Bewohner Ohes und Geveshausens haben das glücklicherweise etwas weniger dramatisch gesehen, und diese Mulde lediglich so gedeutet, dass darin eine Hexe geschlafen habe. Daher der Name "Hexenbett". Vermutlich war es die gleiche Hexe, die auf dem "Hexenstein" immer ihr Spinnrad in die drei Näpfchen gestellt hatte.

Die Wildeshauser Geest ist sehr reich an "echten" archäologischen Bodendenkmälern. Um so bedauerlicher ist es, wenn Hobbyarchäologen ohne Rücksprache mit den zuständigen Stellen derart spektakuläre, unzutreffende Beiträge in der Presse veröffentlichen und so falsche Erwartungen wecken.

Der Unterzeichner hat inzwischen in Zusammenarbeit mit Dr. Eckert einen Entwurf für einen Artikel zur Richtigstellung an die NWZ-Redaktion gesandt, der in Kürze erscheinen wird.

Dr. Bernd Rothmann
 

oben: das "Hexenbett vor der Reinigung
                                        unten und links: nach der Reinigung

Weil das Hexenbett im Wald liegt, mußten Wasserbehälter, Generator, Kärchergerät etc. mit einem Trecker hingeschafft werden, den freundlicherweise Heino Hollmann aus Geveshausen zur Verfügung gestellt hatte.



 

links: Dr. Eckert passt auf, dass H.G. Jordt auch alles richtig macht. oben: voller Einsatz!

 

Die Markierungen, die D. Faß im Juli angebracht hatte, waren am 22.9. noch deutlich zu sehen.

Die gereinigten Flächen zeigen deutlich, dass die sog. Näpfchen tatsächlich nur Vertiefungen sind, die von stärker verwitterten Einschlüssen im Gestein herrühren.

oben: Man erkennt, dass die zahlreichen Einschlüsse näpfchen-artige Strukturen simulieren, auch dort, wo Dirk Faß unter dem Schmutz gar keine markiert hat.
rechts: alles wird genau fotografiert. Die Risse im Stein sind ebenfalls keine "Einritzungen" von Menschenhand, sondern natürliche Risse im Gestein.


Und damit man sieht, wie echte Näpfchen aussehen, hier die von Menschenhand geschaffenen Näpfchen (Schälchen, Grübchen) vom benachbarten Hexenstein (dreibeiniges Spinnrad!) und auf der Deckplatte der Steinkiste von Bargloy bei Wildeshausen:

mehr zu Hexenstein und Hexenbett auf www.steinzeugen.de (dort findet man auch weitere Fotos von der Steinkiste)


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  1.11.10