Exkursion nach Kalkriese am 16.10.09


Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. bereitete ein Heer aus vereinigten germanischen Stämmen unter Arminus (Hermann der Cherusker) drei Legionen des Varus einen Hinterhalt, in dem die meisten römischen Soldaten umkamen. Die Legionen des Varus waren auf dem Weg von der Weser zurück ins Winterlager in Haltern. Wo die berühmte Schlacht stattgefunden hat, weiß man bis heute nicht mit Sicherheit; eine von ca. 700 Möglichkeiten ist Kalkriese. Die Funde von Kalkriese belegen eindeutig, dass hier ein großes Gemetzel stattfand, aber ob es die Varusschlacht war, kann man auch heute nicht bestimmt sagen.
Um den 2000. Jahrestag dieser Schlacht gebührend zu würdigen, führte die Arbeitsgemeinschaft als letzte Exkusion des Jahres eine Fahrt an den Kalkrieser Berg durch.
Das Wetter war bei der Exkursion ungefähr so, wie die römischen Chronisten germanisches Wetter meist beschrieben haben: nass und kalt.

oben links: vor dem Museum  -  ganz oben rechts: die berühmte römische Reitermaske von Kalkriese

Aber da in Kalkriese 2009 zwei Ausstellungen gleichzeitig angeboten wurden, befanden wir uns meist im Trockenen.
Gleich zu Anfang wurde die 29 Personen starke Gruppe in zwei Hälften aufgeteilt, da sonst in den Ausstellungen den durchaus kompetenten Kommentaren unserer Führerinnen nicht jeder hätte folgen können.
Die Gruppe, der ich angehörte, sah sich zuerst die Sonderaustellung "Konflikt" an, in der vor allem die zahlreichen Scharmützel und Beutezüge der Germanen in der Zeit nach der Varusschlacht thematisiert waren. Germanische Horden drangen bis zu den Pyrenäen vor und plünderten dabei römische Anwesen. Daneben gab es auch reichlich Fehden zwischen den einzelnen germanischen Stämmen und prunkvolle Fürstenbegräbnisse.


  Funde aus dem Königsgrab von Musov (links) und ein Teil der Gruppe während
  der Führung


links: Jahrelang war Illerup in Dänemark für tausende von Waffen und Ausrüstungsgegenständen bekannt, die im Moor vermutlich den Göttern geopfert worden
waren. 2009 fand man ganz in der Nähe riesige Knochenhaufen, die vermutlich von den geopferten Soldaten herrühren.
--> Artikel im Spiegel-online
oben rechts: Germanischer Prachtschild mit vergoldeten Aufsätzen.

 
  links: Der "Barbarenschatz" von Neupotz. 700 kg römische Metallgegenstände, auf
  einem  germanischen Beutezug zusammengetragen, versanken ca. 260 n. Chr. im
  Rhein.
  oben rechts: goldene Ringe germanischer Fürsten.

 


links ein Münzschatz aus einem sog. "Angsthort",
rechts eine germanische Gürtelschnalle, die normalerweise im Museum  für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg ausgestellt ist.


   zwei Fotos aus dem Fürstengrab von Gommern (spätes 3. Jahrh.)
   oben wird gezeigt, wie die Gegenstände im Grab angeordnet waren,
   links ist der Schildbuckel abgebildet, der im Foto oben links in der Mitte liegt.

 

 

Die ausgedehnte Mittagspause wurde teils im guten Museumsrestaurant verbracht, wo es z.B. Bratwürste nach römischer Art gab,
z.T. konnte die Zeit aber auch für einen Gang durch die Freilichtanlage genutzt werden.


Blick vom Turm auf einen Teil der Freilichtanlage mit der Grabungsfläche von 2009 (hinten),
dem restaurierten Schlachtfeldbereich (in der Umwallung) und dem Weg aus Eisenplatten (vorne mitte)

Nachmittags besuchte meine Gruppe die in diesem Jahr neu gestaltete Dauerausstellung, die neben relativ wenig ausgestellten Originalfunden aus Kalkriese zahlreiche Objekte bot, an Hand derer die Problematik dargestellt war, drei Legionen mit Tross, d.h. ca. 20.000 Personen, durch den Engpass am Kalkrieser Berg zu bringen.
Zum Abschluss wurde der Turm erstiegen, von dem aus sich trotz des schlechten Wetters ein wunderbarer Fernblick bot.


  Römische Legionäre als Zinnfiguren zeigen, wie bei einem Engpass die Ordnung
  nicht mehr aufrecht gehalten werden kann.


  Knochenfunde aus einer Leichengrube, in der Legionäre des Germanicus einige
  Jahre später die noch im Wald verstreuten Überreste der Varus-Legionen bestat-
  tet haben sollen. Da diese Gruben mit Kalksteinen ausgelegt waren, haben sich die Knochen erhalten.


Kugelspiel  "Wie eine Legion nicht durch den Engpass kommt (links) und auf dem Aussichtsturm (rechts) mit Kalkrieser Berg im Hintergrund (beide Fotos J. Welp)

Gegen 17:45 Uhr kamen alle wohlbehalten wieder in Oldenburg an, versorgt mit unzähligen neuen Informationen über Germanen, Römer, Hortfunde, Gräber, Münzen und, und, und....

Text und obere Fotos: Bernd Rothmann


einige willkürliche Links zu Kalkriese:


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  20.10.09