Artikel, der in der Nordwest-Zeitung erschienen sind

Artikel vom 21.10.2011 in der Nordwest-Zeitung   (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg

Forscher graben 3000 Jahre alte Urne aus
Archäologie   Spaziergänger macht Zufallsfund am Großsteingrab - Gefäß aus Bronze- oder Eisenzeit
Deutsche und niederländische Forscher waren bei der Grabung dabei. Die Urne war randvoll mit Leichenbrand
von Stefan Idel

Foto: Spektakuläre Entdeckung in der Wildeshauser Geest: Der ehemalige Bezirksarchäologe Dr. Jörg Eckert bei der Bergung der Urne aus der Bronze- oder Eisenzeit

Wildeshausen - "Kommissar Zufall" hatte offenbar seine Hand im Spiel: Ein aufmerksamer Besucher eines Großsteingrabes in der Region Wildeshausen machte Anfang August eine merkwürdige Entdeckung. Die kreisrunde Erdverfärbung sah aus wie das Ende eines in der Erde steckenden Rohres. Der Spaziergänger, ein Hobbyarchäologe aus Sachsen Anhalt*, informierte die Denkmalpflege. Nun legte ein Team von Heimatforschern, unterstützt von Hobbyarchäologen aus den Niederlanden, eine Urne frei, die wohl aus der Bronze- oder Eisenzeit stammt. "Der Fund ist für die Wissenschaft sehr bedeutend", sagt Dr. Bernd Rothmann, ehrenamtlicher Beauftragter des Landkreises Oldenburg für die archäologische Denkmalpflege.

Fundort bleibt geheim
Den genauen Fundort will Dr. Jana Esther Fries vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) in Oldenburg nicht verraten. "Leider gibt es immer wieder Grabräuber", sagt die Bezirksarchäologin. "Das hier war ein ärmliches Gebiet. In Großsteingräbern gibt es kein Gold", ergänzt Rothmann. Er  hatte gemeinsam mit Fries und ihrem Amtsvorgänger Dr. Jörg Eckert die Fundstelle inspiziert. Am Montag fand im Dötlinger "Lopshof" im Rahmen des EU-Projektes "Land der Entdeckungen" ein Treffen mit mehr als 20 ehrenamtlichen archäologischen Beauftragten aus Norddeutschland und der Region Drente/Groningen (Niederlande) statt; bei dieser Gelegenheit wurde die Urne freigelegt.
Ursprünglich war eine in Gipsbandagen eingehüllte "Blockbergung" geplant, um später eine detailliert Untersuchung im Labor durchführen zu können. "Leider ist uns da Gefäß dabei zerbrochen", berichtet Fries. Schnell waren sich die Experten einig: "Es handelt sich wohl um eine bronze- oder eisenzeitliche Urne, die vor etwa 3000 Jahren in das vor etwa 5000 Jahren gebaute neolithische Großsteingrab eingebracht worden war", so Rothmann. "Die Leute haben damals wohl gedacht: Ein Großsteingrab ist ein schönes Ambiente für eine weitere Bestattung." Die Urne war randvoll mit Leichenbrand, in dem sich relativ große Knochenstücke befanden.

"Toter erzählt Geschichten"
Die Scherben des Gefäßes sollen nun gewaschen werden, anschließend will Rothmann sie wieder zusammensetzen. Der Leichenbrand werde dagegen von Anthropologen genauestens untersucht. Fries: " Wir wollen das Alter der verstorbenen Person ermitteln; vielleicht lässt sich auch das Geschlecht bestimmen." Ein DNA-Profil lasse sich aber nicht mehr bestimmen." Rothmann zeigt sich jedoch zuversichtlich: "Der Tote kann uns sicherlich einige Geschichten erzählen".


Artikel vom 20.10.2011 -  Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline
(Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg

Spaziergänger stößt auf 3000 Jahre alte Urne
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Wildeshausen - Spektakulärer Fund in der Wildeshauser Geest: Ein Team von Heimatforschern und Archäologen grub eine bronze- oder eisenzeitliche Urne aus, die vor etwa 3000 Jahren als Nachbestattung in das vor etwa 5000 Jahren gebaute neolithische Großsteingrab eingebracht worden war. Aus Furcht vor Grabräubern wollte Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries die genaue Fundstelle des Gefäßes nicht nennen. Ein Spaziergänger, ein Hobbyarchäologe aus Sachsen-Anhalt*, war im August auf eine kreisrunde Verfärbung im Erdreich aufmerksam geworden und hatte die Denkmalpflege informiert. Die Urne, die bei der Bergung zerbrach, war randvoll mit Leichenbrand. Dieser soll nun von Anthropologen genauestens untersucht werden.

* Anmerkung des Webmasters: Der Besucher kam aus dem Braunschweiger Land!


zuletzt geändert am 22.10.11