Artikel, der in der Nordwest-Zeitung erschienen sind

Historisches Rätsel offenbar gelöst - 21.4.12
Duo will historisches Rätsel lösen
- 24.3.12
Zoller bleibt beim Standort Gänseweide - 21.3.12
Standort der Burg umstritten - 17.3.12
Stedinger machen Burgherren keine Freude - 16.3.12


Artikel vom 21.4.2012 -  (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Historisches Rätsel offenbar gelöst
Burg Schlutter Standort "Gänseweide" wird durch Bodenpuffer gesichert
Dirk Zoller und Georg Müller hatten Hinweise auf den Standort der Burg zusammengetragen. Das Areal gehört dem Ochtumverband.
von Karsten Kolloge

Foto: Berieten über die Sicherung des Baudenkmals (von links): Dirk Zoller, Matthias Stöver (Ochtumverband), Georg Müller, Dr. Jana Esther Fries sowie Heiko Stubbemann BILD: Kolloge

Schlutter - "Das passt." Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries nickte. Anhand neuer Erkenntnisse sei davon auszugehen, dass der Standort einer historisch erwähnten Burg von Schlutter gefunden ist: am östlichen Ufer der Delme nördlich der Straße Schlutterdamm (Flurname: Die Gänseweide). Am Freitag traf sich die Bezirksarchäologin mit den Heimatforschern Dirk Zoller (Rastede) und Georg Müller (Ganderkesee) sowie Vertretern des Ochtumverbandes an dem historischen Ort, um sich auf Maßnahmen zur Sicherung zu verständigen.

Rückblick. Die Frage, wo die im 13. Jahrhundert errichteten und im selben Jahrhundert zerstörten Schlutteraner Burgen gestanden hatten, war bislang strittig. Mehrere Standorte wurden für denkbar gehalten.
Nach der NWZ-Berichterstattung über Schlutter und seine Burg-Geschichte hatten sich Georg Müller und Dirk Zoller, laut Fries "ein langjähriger Burgenforscher", zur Zusammenarbeit entschlossen. Unter anderem werteten sie historische, teils im 17. Jahrhundert gefertigte Landkarten aus. Darauf ist im Bereich der "Gänseweide" ein graftähnlicher, fast kreisrunder Delme-Arm direkt am Bachlauf eingezeichnet.
Ferner suchte Zoller am 7. April vor Ort. Er fand unter anderem Keramik - die Fries dem Mittelalter zuordnete.

Aufgrund von Fotos der Örtlichkeit, die Zoller nach Oldenburg gesandt hatte, wurde die Bezirksarchäologin aufmerksam auf die Erdarbeiten, die der Ochtumverband an dieser Stelle ausführt. Der Hintergrund: Im Jahr 1999, so berichtete Verbandsvorsteher Heiko Stubbemann, sei dort ein Sandfang in die Delme eingebaut worden. Der Sand wird in Abständen ausgebaggert und abgefahren.
Um das Denkmal im Boden zu sichern und eine ungewollte Verdichtung zu vermeiden, verständigte man sich vor Ort, auf die Gänseweide etwa 50 Zentimeter Boden aufzufahren. Diese Schicht soll als "Puffer" dienen. Eine Grabung, die den "letzten Beweis" für die Burg an dieser Stelle bringen könnte, ist nicht beabsichtigt.
Unklar, so hieß es, bleibe, ob auch ein zweites, etwa 500 Meter delmeaufwärts gelegenes Areal einmal Burg-Standort war. Hier ist eine Unterschutzstellung angedacht.

Die Burgherren von Schlutter hatten mit ihren Befestigungsanlagen nicht viel Glück. Die erste historisch belegte Burg wurde 1213 von Erzbischof Gerhard I. von Bremen errichtet und 1230 von den Stedingern zerstört. Die zweite Befestigungsanlage entstand 1232 durch Gerhard II., sie wurde 1233 von den Stedingern zerstört.


Artikel vom 24.3.2012 -  (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Duo will historisches Rätsel lösen
Burg Schlutter    Zoller und Müller tragen Spuren zusammen – Sechs Möglichkeiten
Noch immer ist unklar, wo die Schlutteraner Burg stand. Zwei Heimatkundler gehen der Frage nach.
von Karsten Kolloge

Abb.: Auf einer um 1800 entstandenen Karte ist die Burg eingezeichnet – westlich der Delme. BILD: Kartenarchiv Georg Müller

Schlutter - Zwei passionierte Heimatkundler wollen versuchen, ein Rätsel der Geschichte zu lösen – die Frage nämlich, wo die im 13. Jahrhundert zweimal erbaute und zweimal zerstörte Burg Schlutter stand. Schon recht kurzfristig werden sich Dirk E. Zoller (Rastede) und Georg Müller (Ganderkesee) treffen und die Spuren zusammentragen.
Zoller und Müller hatten sich nach der NWZ-Berichterstattung über die Burg zu der Zusammenarbeit entschlossen. Wie berichtet, favorisierte Zoller bislang den Standort nordöstlich der Kreuzung von Delme und Schlutterdamm (Flurname: „Die Gänseweide“), Müller geht von einem Standort weiter südlich (aber nördlich Holzkamper Damm) aus.
Die Suche nach dem Standort beschäftige Historiker schon seit 200 Jahren, sagte Müller. Es sei auch durchaus denkbar, dass es zwei verschiedene Standorte gebe – zumal der Ort der ersten Burg (errichtet 1213 von Erzbischof Gerhard I. von Bremen, zerstört 1230 von Stedingern) nicht identisch sein müsse mit dem der zweiten (errichtet 1232 von Gerhard II., zerstört 1233 von Stedingern).

Laut Georg Müller wird über insgesamt sechs denkbare Standorte diskutiert: 

Letzte Klarheit, so betonte Müller, könne nur eine Grabung bieten. Laut Liste der Bodendenkmäler des Landesamtes für Denkmalpflege gilt die Feste als „wichtige Burg, die nur kurz existiert hat und damit ein hohes Forschungspotenzial besitzt“.


Artikel vom 21.3.2012 -  (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg)

Zoller bleibt beim Standort Gänseweide
Geschichte     Architekt weist Müllers Einwand zurück – „Ortsbestimmung überholt“
kk

Schlutter - Nach dem Dementi jetzt das Dementi des Dementis: Die Schlutteraner Burg habe sich doch nordöstlich der Kreuzung von Delme und Schlutterdamm befunden – und nicht, wie der Ganderkeseer Georg Müller annimmt, weiter südlich an der Delme. Das teilt Dirk Zoller aus Rastede jetzt im Nachgang zu Müllers Dementi mit.
Georg Müller hatte den Standort am Schlutterdamm angezweifelt. Seines Erachtens stand die Befestigungsanlage etwa einen Kilometer weiter südsüdwestlich auf einer Bodenerhebung. Das habe ihm der Heimatforscher Fritz Schröer aus Delmenhorst schon vor Jahren gezeigt. Im Bereich der Bodenerhebung fänden sich auch Ziegel als Überreste.
Anders Zoller: „Die Fundortbestimmung von Schröer ist überholt“, argumentiert der Architekt und Sohn des früheren Bezirksarchäologen Dr. Dieter Zoller. Bei der Bodenerhebung in der Delmeniederung handele es sich um eine natürliche Dünenaufwehung. Dies habe Dr. K. Sichardt schon 1922 festgestellt. „Im Übrigen ist das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, Dr. Heine, der gleichen Meinung wie ich“, ergänzt Zoller.
Er verweist dabei auf die Liste der Bodendenkmäler (vom Landesamt für Denkmalpflege). Danach befand sich die Burg Schlutter im „Ortsteil Schlutter, etwa 2,7 Kilometer östlich Ganderkesee direkt an der Landkreisgrenze zu Delmenhorst im Zwickel zwischen der Delme im Westen und dem Schlutterdamm im Süden bei + 10 mNN. Flurname: Die Gänseweide.“
Dieser „richtige“ Standort der Burg sei bis ins frühe 19. Jahrhundert bekannt gewesen. Erst danach habe sich in die Literatur eine Neulokalisierung (eben mit der Annahme, dass die Burg sich auf dem Hügel weiter südlich befunden habe) eingeschlichen.


Artikel vom 17.3.2012 -  (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg

Standort der Burg umstritten
kk

Abb.: Burgstandort oder Weide? Der Delme-„Ring“ auf dieser Karte wird unterschiedlich gedeutet. Karte: Dirk Zoller

Schlutter - Wenn irgendwann einmal Archäologen nach der Burg Schlutter graben sollten, dann, so ist sich Georg Müller sicher, würden sie nördlich vom Schlutterdamm nicht fündig. Denn da habe die Befestigungsanlage nicht gestanden, wandte sich der Ganderkeseer gegen die Annahme von Dirk Zoller.
Wie am Freitag berichtet, hatte Zoller auf die Oldenburgische Vogteikarte von 1790 verwiesen. Danach habe es nördlich vom Schlutterdamm einen ringförmigen Delme-Nebenarm und eine Wegeverbindung gegeben, beides weise auf einen Burgstandort hin.

„Das hab’ ich auch erst gedacht“, sagte Müller. Doch stehe dem zum Beispiel entgegen, dass es hier noch keinerlei Funde gegeben habe, die auf ein Gebäude hindeuten würden. Die Handrisskarte der Gemeinde von 1842 weise den Bereich als Gänseweide aus, der Weg führe zu dieser Weide hin.
Der frühere Heimatforscher Fritz Schröer aus Delmenhorst habe ihm schon vor Jahrzehnten einen anderen, etwas erhöhten Bereich weiter südlich an der Delme (nördlich Holzkamper Damm) als vermutlichen Burg-Standort benannt. Dort seien auch Reste von Ziegeln entdeckt worden, die nicht durch Verfüllung hierher gekommen sein könnten.
Einig sind sich Müller und Zoller in einem anderen Punkt: Nur eine Grabung könne letzte Sicherheit bringen.


Artikel vom 16.3.2012 -  (Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg

Stedinger machen Burgherren keine Freude
Geschichte
   Anlage in Schlutter gleich zweimal zerstört – Standort am Schlutterdamm vermutet
Mindestens seit 1213 gab es in Schlutter eine Burg. Dirk Zoller befasste sich mit deren Geschichte.
von Karsten Kolloge

Schlutter - Wer beim Begriff „Burg“ zum Beispiel galante Ritter im Sinn hat, vornehme Damen in langen Gewändern und edle Pferde, der muss bei der Burg Schlutter umdenken. „Eine reine Verteidigungsanlage“ sei das gewesen, aus strategischen Gründen in einem sumpfigen Gelände an der Delme errichtet, erläutert Dirk Zoller. Die Bewohner hätten es mit der allgegenwärtigen Nässe zu tun gehabt, vermutlich auch mit vielen Insekten. Und mit den Stedingern.
Dirk Zoller, Sohn des früheren Bezirksarchäologen Dr. Dieter Zoller, hat sich intensiv mit Befestigungsanlagen in unserer Region befasst. Zum 750. Burgjubiläum von Delmenhorst (2009) verfasste er einen Beitrag über die Burg Schlutter im „Delmenhorster Heimatjahrbuch 2009“.

Danach wurde die hölzerne Trutzburg an der Delme spätestens im Jahr 1213 von Erzbischof Gerhard I. von Bremen errichtet. Er belehnte die Burg mit örtlichen Ministeralen, den Edelherren von Schlutter, später ging das Lehen an den Grafen Heinrich III. von Oldenburg-Wildeshausen.
Indes: Viel Freude hatten die neuen Besitzer an dem Bollwerk nicht. 1230 zerstörten Stedinger Bauern das Anwesen, in einem Rutsch damit auch noch das im Bau befindliche Kloster in Hude. Doch Bremens Erzbischof, mittlerweile war dies Gerhard II., ließ nicht locker: Die Burg wurde wieder aufgebaut. Zoller geht davon aus, dass dafür derselbe Standort an der Delme gewählt wurde.
Doch auch diesmal sollte der Bau nicht lange stehen. Um die Jahreswende 1233/34 sei es wohl gewesen, als erneut Stedinger Bauern anrückten und die Trutzburg dem Erdboden gleich machten, sagt Berrit Oltmann, ehemals Mitarbeiterin im Nordwolle-Museum.
Jetzt hatte die Geistlichkeit aus Bremen offenbar die Faxen dicke. Der Standort Schlutter wurde aufgegeben. Statt dessen errichteten die Grafen von Oldenburg weiter nördlich auf einer sandigen Anhöhe im Delmetal eine Wasserburg – jetzt schlug die Geburtsstunde von Delmenhorst.

Was bleibt, ist die Frage, wo genau sich die Burg Schlutter befand – denn das ist im Gelände heute nicht mehr ersichtlich. Letzte Klarheit, so Berrit Oltmann, könnten wohl nur Ausgrabungen bringen.
Doch es gibt Hinweise. Hier verweist Dirk Zoller auf die Oldenburgische Vogteikarte von 1790. Darauf klar erkennbar: Nordöstlich der Kreuzung von Delme und der heutigen Straße Schlutterdamm hatte die Delme einen Nebenarm, der sich wie ein Ring an den Bachlauf anlehnte. Über die Insel in der Ringmitte, so sagt Zoller, habe ein Weg geführt. Seine Folgerung: „Somit ist offensichtlich, dass sich an dieser Stelle wohl die Burgstelle befunden haben muss.“


zuletzt geändert am 26.4.12