Artikel, der in der Nordwest-Zeitung erschienen ist

Artikel vom 24.11.2014 -  Lesen Sie den Originalartikel nach unter: NWZonline

Mit dem Einsatz vieler das große Ziel erreicht
Ausstellung zur Burg Specken eröffnet - Funde bis zum 21. Dezember im Museum zu sehen
Gemeinsam mit Archäologen der Oldenburgischen Landschaft hatten Speckener nach ihrer Burg gesucht. Gefunden haben sie Zeugnisse des Lebens im späten Mittelalter.
Von Markus Minten

Specken - Am Ende kniete sogar der Ausgrabungsleiter nieder: Und auch wenn diese besondere Form des Danks von Dr. Jörg Eckert speziell dem Apfelkuchen von Dr. Brigitta Berg galt (mit dem die Speckenerin schon während der Grabung zur Steigerung zur Motivation beigetragen hatte), war sie zugleich Ausdruck für Anerkennung des Engagements, das die Speckener in den vergangenen zwei Jahren an den Tag gelegt hatten. Die hatten - initiiert von Berg und Henning Dierks - mit Nachdruck und viel persönlichem Einsatz die Grabungen an der Burg Specken erst ermöglicht und mit angepackt. "Hier wurde nachhaltig gearbeitet"“, betonte Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft lobend.
Gut 20 ehrenamtliche Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Archäologische Denkmalpflege der Oldenburgischen Landschaft hatten (wie mehrfach berichtet) im Frühjahr 2013 bei Grabungen im Landschaftspark Wiesengrund zahlreiche Funde aus spätmittelalterlicher Zeit zu Tage gefördert. Unterstützung hatten sie dabei von zahlreichen Speckenern erhalten. Der Ortsverein bedankte sich bei Eckert seinerseits nicht nur mit Apfelkuchen, sondern auch mit der Ehrenmitgliedschaft. Vorsitzender Falko Renken überreichte die entsprechende Urkunde unter anhaltendem Beifall der fast 200 Interessierten, die Freitagabend zur Ausstellungseröffnung in den "Junker van der Spekken" gekommen waren.
Derartige Ausgrabungen seien regionalgeschichtlich bedeutsam und unverzichtbar, so Eckert. "Die Verteilung der Burgen zeigt, wie die lokale und überregionale Wegeverbindungen waren, aber auch, wie die Lebensverhältnisse waren." Dabei räumte er mit fehlerhaften Vorstellungen gleich auf: "Die Ritterromantik ist ein Produkt der Neuzeit." Auf den für das Ammerland typischen Niederungsburgen habe der Kleinadel ein "ehr ärmliches Leben geführt". Eckert: "Keiner von uns würde gerne auf so einer Burg leben wollen."
Erbaut worden sei die Burg Specken zwischen 1300 und 1325, berichtete Eckert. Um 1500 seien derartige Anlagen in der Regel funktionslos geworden. "Viele Fragen lassen sich klären. Viele müssen aber auch unbeantwortet bleiben." So etwa die genaue Ausstattung der Burg Specken mit Häusern. Liegt doch der eigentliche Burghof unter mittlerweile hohen Bäumen für die Archäologen unerreichbar verborgen. Dort liegt die Burg als, so Eckert, "untertägiges Denkmal". Aber auch die Funktion mehrerer im Burggraben gefundener Holzpfähle sei unklar. Möglicheweise handele es sich aber um die Auflage für eine Brücke über den Graben.
Dennoch konnten im Randbereich Gräben freigelegt und zahlreiche Funde gesichert werden. Ausgegraben wurden einheimische und rheinische Keramik, Ziegelsteine und Dachziegel, aber auch Spinnwirtel, Kienspanhalter und Riegel aus Metall. Diese sind - gemeinsam mit zahlreichen erläuternden Wandtafeln  im Museum Specken, Speckener Weg 34, bis zum 21. Dezember sonnabends und sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Führungen außerhalb dieser Zeiten können unter Telefon 0441/202238 vereinbart werden.
Dierks dankte in der Feierstunde zur Ausstellungseröffnung neben Eckert und der Oldenburgischen Landschaft vor allem auch Dirk Zoller für wertvolle Unterstützung. Dessen Vater Dieter Zoller hatte 1952 erste Ausgrabungen an der Burg Specken durchgeführt. Auch Prof. Thomas Priesemann (Jadehochschule) für Georadaruntersuchungen, der Gemeinde für die Unterstützung der Arbeiten und dem Verein für Heimatpflege als Eigentümer des Museums galt sein Dank.

Video: Funde aus dem späten Mittelalter


zuletzt geändert am 28.11.14