Bergung einer Urne
beim Treffen der Ehrenamtlichen am 17.10.11


Anfang August hatte ein aufmerksamer Besucher eines Großsteingrabes bei Wildeshausen eine merkwürdige Entdeckung gemacht: Eine kreisrunde Erdverfärbung war sichtbar, die aussah, wie das Ende eines in der Erde steckenden Rohres (Foto links).
Dr. Bernd Rothmann, der als ehrenamtlicher Beauftragter für archäologische Denkmalpflege ganz in der Nähe wohnt, machte eine fotografische Bestandsaufnahme, nach der sich die Experten in Oldenburg einig waren: Das muss eine bronze- oder eisenzeitliche Urne sein.

Am 17.10.2011 fand unter der Schirmherrschaft von Frau Dr. Jana Esther Fries vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) ein Treffen von niederländischen und deutschen ehrenamtlichen archäologischen Beauftragten in Dötlingen statt. Unter der Überschrift „Land der Entdeckungen“ fördert die Europäische Union ein Projekt mit nichtprofessionellen Archäologen. Heimatforscher und Ehrenamtliche wollen dafür in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden zusammenarbeiten. Frau Fries plante, dass gleichzeitig mit diesem Treffen auch die Bergung der Urne erfolgen sollte. 
Da an diesem Tag alle Profi-Archäologen des NLD anderweitig beschäftigt waren, nahmen der ehemalige Bezirksarchäologe, Dr. Jörg Eckert, und Dr. Rothmann die Bergung im Auftrag des NLD vor.


Das Planum mit Urnenrand und Grubenumriss

Es wurde schnell deutlich, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine bronze- oder eisenzeitliche Urne handelt, die als Nachbestattung in das neolithische Großsteingrab eingebracht worden war. Die Experten schätzen, dass sie aus der Zeit um 800 v.Chr. stammt, aber die exakte Datierung ist erst nach weiteren Untersuchungen möglich.
Die ansonsten nahezu vollständige Urne war von unzähligen Rissen durchzogen. Es war eine in Gipsbandagen eingehüllte Blockbergung geplant, um eine sehr detaillierte Untersuchung im Labor durchführen zu können. Aber leider war die Urne unmittelbar vor der Umhüllung auseinandergefallen. Durch dieses bedauerliche Mißgeschick wurde jedoch schon vor Ort klar, dass die Urne nahezu randvoll mit Leichenbrand gefüllt war, in dem sich relativ große Knochenstücke befanden. Diese dürften bei der späteren Untersuchung im Labor sicherlich ausführliche Detailinformationen zu dieser Nachbestattung und dem Verstorbenen geben.
Bernd Rothmann hat sich bereit erklärt, die Urne zu restaurieren.


oben: Dr. Eckert und Dr. Rothmann beim Erstellen des Planums
links: Dr. Eckert hat die Urne halb freigelegt. Es sind noch Scherben eines umhüllenden Gefäßes zu erkennen.
 


oben: vermutlich 2000 Jahre alt oder älter...
links: Leichenbrand, der nach dem Auseinanderfallen der Urne eingesammelt wurde.

Text und Fotos: B. Rothmann, 1 Foto: AWN

siehe auch Artikel in der Wildeshauser Zeitung vom 19.10.2011
und Artikel in der Nordwest-Zeitung vom 21.10.2011


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am 18.10.11