was uns verstört ...


Naturdenkmäler zu verkaufen! oder:
Wie das Land Niedersachsen sich seiner Pflichten entledigt! 

In 2007 kamen Informationen auf, dass Naturdenkmäler, die sich im Besitz des Landes Niedersachsen befanden, zum Verkauf angeboten wurden. Dabei handelte es sich z.Z. ausschließlich um Objekte aus dem Bereich des Forstamtes Neuenburg. Die Großsteingräber in Steinkimmen und Stenum wurden an die Gemeinde Ganderkese verkauft, die Gemeinde prüft damals, ob sie auch den Heidenwall von Delthun erwerben wollte, was sie dann aber doch nicht tat. Darüber hinaus wurde eine Wallanlage bei Wiefelstede an eine Privatperson verkauft, nachdem dort die Gemeinde ihr Kaufinteresse zurückgezogen hatte.
Fotos: Hünensteine 1 in Steinkimmen (927, links), Stenum (930, rechts) und Steenberg in Sandhatten (926, unten)

Ich habe Anfang 2008 Rücksprache mit dem Forstamt Ahlhorn gehalten, in dessen Zuständigkeitsbereich Kostbarkeiten wie Visbeker Braut und Bräutigam, Glaner Braut etc. liegen. Die Leiterin des Forstamtes, Frau Dörrie, hat mir bestätigt, dass es beim Forstamt Ahlhorn keinerlei Verkaufsabsichten gibt.

M. Haking von den Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig teilte mir im Februar 2008 mit, dass es sich bei den bisherigen Verkäufen um sog. "Streubesitz" gehandelt habe, d.h. um kleine Einheiten, die keine Anbindung an große Landesforsten hatten, und dass die Verkäufe auf Wunsch der Gemeinde zustande gekommen seien. Jeder Verkauf sei als Einzelfall zu betrachten.

Wer nun gedacht hat, die Angelegenheit sei damit erledigt, wurde Ende September 2008 eines besseren belehrt. Die Presse meldete den Verkauf des Großsteingrabes Steenberg (Sandhatten) durch das Forstamt Neuenburg an die Gemeinde Hatten. Schon wieder ein Einzelfall! Der Bürgerverein Sandhatten hat am 20.9. die Pflege des Großsteingrabes übernommen. Und man muss bestätigen, dass kurz danach mit Pflegearbeiten an der Grabanlage begonnen wurde.

Aber auch damit war der "Ausverkauf noch nicht zu Ende. Inzwischen wurden das Waldstück "kleiner Mittelhoop" südlich von Bookholzberg, das von Hügelgräbern durchsetzt ist, an Privat verkauft. Dem Vernehmen nach war der neue Besitzer über diese Hügelgräber garnicht informiert.

Die Arbeitsgemeinschaft für archäologische Denkmalpflege protestiert aufs schärfste gegen den Verkauf von bis zu 5000 Jahre alten Kulturschätzen, falls dieser nur das Ziel hätte, die Landesskasse zu entlasten.
Bereits 1819 erließ die Herzogliche Kammer zu Oldenburg die erste Verordnung, derzufolge Großsteingräber und Grabhügel möglichst erhalten und vor Zerstörungen bewahrt werden sollten. Das Herzogtum Oldenburg kaufte in den folgenden Jahren die meisten Grundstücke, auf denen sich Großsteingräber befanden, um eine drohende Zerstörung zu verhindern. Heute scheint - zumindest in einigen Fällen - der umgekehrte Weg begangen zu werden. Zwar sind die Anlagen durch das niedersächsische Denkmalschutzgesetz von 1979 geschützt, und der Verkauf an eine Gemeinde gehört gewiss zu den kleineren Übeln,  jedoch gehört es nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft auch heute zu den vornehmsten Pflichten des Staates und auch des Landes Niedersachsen, Kulturgüter für die Allgemeinheit zu schützen und zu erhalten!

Dr. Bernd Rothmann

siehe auch Artikel auf S. 20 der Zeitschrift "Der Holznagel", Heft 2, 2009


Copyright: B. Rothmann V1, zuletzt geändert am  21.4.09